ASTHMA UND FITNESSTRAINING

Kein Widerspruch!

 

Asthma, in der Fachsprache Asthma bronchiale genannt, ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung. Weltweit sind Schätzungen zufolge 339 Millionen Menschen an Asthma bronchiale erkrankt, was die Krankheit zu einer der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt macht. Vielleicht bist auch du betroffen oder du kennst zumindest jemanden? Wir haben ein paar hilfreiche Informationen und Tipps für dich.

Asthma bronchiale – was genau ist das eigentlich?

Beim Asthma bronchiale wird grob unterschieden in allergisches und nicht-allergisches Asthma. Das allergische Asthma, auch exogenes Asthma genannt, wird vor allem durch Umweltsubstanzen, wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausgelöst. Diese Form des Asthmas tritt meist im Kindesalter ab dem 2.-3. Lebensjahr auf. Ein belastungsinduziertes, nicht-allergisches Asthma, auch endogenes Asthma genannt, tritt hingegen meist im Erwachsenenalter auf. Auslöser sind hier meist unspezifische Faktoren wie körperliche Anstrengung, Stress oder physikalische Reize. Dazu zählen beispielsweise kalte Luft oder Dämpfe, aber auch Infektionen können die Ursache sein.
Häufig liegen Mischformen vor, bei denen das kindliche, allergische Asthma in ein nicht-allergisches Asthma im Erwachsenenalter übergeht.


Der Asthmaanfall – das passiert in deinem Körper

Durch eine akute Verengung der Atemwege kommt es zu anfallsweiser Atemnot mit Husten. Die Atemwegsverengung (Bronchialobstruktion), wird durch erhöhte Sekretion von Schleim, eine akute Verkrampfung der Bronchialmuskulatur sowie durch die Bildung von Ödemen und Schwellungen der Schleimhäute ausgelöst. Während eines solchen Asthmaanfalls überbläht sich die Lunge der Patienten. Beim Ausatmen kann die Luft nicht ungehindert ausströmen – es kommt zu Atemnot. Beim so genannten Belastungsasthma treten diese Symptome während körperlicher Anstrengung oder kurz danach auf. Sitzende Körperhaltungen während eines Anfalls erleichtern das Atmen. Ein schwerer Asthmaanfall mit Resistenzen gegen bronchienerweiternde Medikamente kann unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen. Bessert sich in solch einer Situation der Zustand nicht, muss der Notarzt gerufen werden.

Sport und Asthma?

Bei bis zu 80% aller Asthmapatienten treten im Zusammenhang mit körperlicher Belastung Beschwerden auf. Bei Kindern liegt die Zahl noch höher, etwa 90% aller asthmakranken Kinder sind betroffen.
Um zu vermeiden, dass es während des Sportes zu einem Asthmaanfall kommt, ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. So können nach Absprache mit dem Arzt schon vor dem Sport 1-2 Hübe eines Asthma-Sprays genommen werden. Sollte es trotzdem zu einem Anfall kommen, hilft auch hier meistens das bronchienerweiternde Asthmaspray. Zudem wird mit dem behandelnden Arzt in den meisten Fällen ein Notfallplan für den Akutfall erstellt.
Als Asthmatiker ist es wichtig, seine persönliche Belastungsgrenze zu kennen, um entsprechend handeln zu können. Falls du an der allergischen Form des Asthmas leidest, ist es außerdem ratsam den Auslöser zu vermeiden. Trainiere also, wenn du beispielsweise empfindlich auf Pollen reagierst, lieber in einem geschlossenen Raum statt draußen.


Fitnesstraining für die Lunge

Ausdauersport hat positive Effekte auf unser respiratorisches System. Wer regelmäßig Ausdauersport treibt, senkt seine Atemfrequenz und vergrößert die Gasaustauschfläche im Lungengewebe. So werden die Atmungsabläufe optimiert und insgesamt die Lungenfunktion verbessert. Außerdem wird die Atemmuskulatur trainiert und Infekten kann vorgebeugt werden.

Bei Asthmatikern wird durch diese Anpassungen der Atemfunktion die Schwelle zur Auslösung eines belastungsinduzierten Asthmaanfalls heraufgesetzt. Sport kann auch dazu beitragen den Schleim aus den Lungen besser abzutransportieren und die Atemtiefe zu erhöhen. Regelmäßiger Ausdauersport hilft also das Asthma zu stabilisieren und verbessert in vielen Fällen auch das allgemeine Wohlbefinden.

Das Problem: Beschwerden durch Asthma führen häufig dazu, dass körperliche Aktivität generell vermieden wird. Hieraus entsteht schnell ein Teufelskreis, wodurch die Leistungsfähigkeit immer weiter abnimmt. Dabei ist gerade für Asthmapatienten eine Steigerung der Leistungsfähigkeit besonders wichtig, um die Lungenfunktion zu verbessern.

Diese Sportarten sind besonders gut geeignet

Grundsätzlich kannst du als Asthmatiker jede Sportart durchführen. Wichtig ist, dass du Spaß daran hast! Wusstest du, dass auch viele Spitzensportler und sogar Olympiasieger an Asthma erkrankt sind und trotzdem Top-Leistungen erbringen?

Es gibt ein paar Faktoren, auf die du beim Training achten kannst:

  • Eine Aufwärmphase von 5-10 min vor dem Sport verringert das Risiko einer Bronchienverengung. Erhöhe die Belastung außerdem nur langsam.
  • Ausdauersport ist gut geeignet, um die Lungenfunktion zu verbessern. Gleichmäßige Belastungen wie beim Radfahren, Joggen, Schwimmen oder Nordic Walking sind gut für dich, da sie nicht so hohe Belastungsspitzen haben.
  • Einer Hyperventilation kannst du entgegenwirken, indem du Ausdauersport in Intervallform mit Wechsel zwischen Belastungs- und Erholungsphasen aufbaust.
  • Ein gezieltes Krafttraining kräftigt zusätzlich die Atemhilfsmuskulatur.
  • Vermeide kurze, intensive Belastungsphasen wie beim Fußball, Tennis oder Basketball. Dies kann für viele Betroffene durch die kurzfristig sehr hohe Atemfrequenz eine besondere Belastung darstellen.

Schließe deine Belastungsphase stets mit einem „Cool Down“ ab, um deine Atmung zu beruhigen. Wegtrainieren lässt sich Asthma leider nicht, bis heute gilt es als unheilbar. Mit einer guten Kontrolle durch regelmäßige Arztbesuche, einer medikamentösen Therapie und regelmäßiger körperlicher Aktivität, kann allerdings gut mit der Erkrankung gelebt und auch trainiert werden.
 

Atemübungen

Die folgenden Übungen sollen eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleisten und die bewusste Kontrolle der Atmung ermöglichen. Sie dienen vor allem Patienten mit Asthma bronchiale, sobald sich eine (leichte) Hyperventilation bemerkbar macht.

 

  1. Lippenbremse
    Diese Übung kann bei einem akuten Asthmaanfall oder Atemnot hilfreich sein. Atme durch die Nase ein und dann langsam gegen den Widerstand der Lippen wieder aus. Dabei kannst du beim ausatmen Laute wie ''pff'' oder ''ss'' machen, dass erleichtert die Durchführung.
     
  2. Torwartstellung
    Beuge deine Beine leicht und stütze deine Hände auf den Knien ab. Atme in dieser Position nun einige Minuten mit der Lippenbremse.

     
  3. Kutschersitze
    Setz dich für diese Übung auf die Vorderkante eines Stuhls. Mache nun mit dem Rücken einen entspannten Katzenbuckel, indem du die Ellenbogen auf den Knien abstützt und die Hände locker herunterbaumeln lässt. Verharre in dieser Position, bis dir die Atmung durch die Entspannung des Brustkorbs wieder leichter fällt.
    Bei einer anderen Variante dieser Übung werden Unterarme, Hände und Kopf auf einem Tisch abgelegt und es wird langsam durch die Lippenbremse geatmet.

     
  4. Dehnung des Brustmuskels
    Stellen dich mit dem Gesicht zur Wand in eine Raumecke und lege die Hände auf Schulterhöhe an die Wände. Nun fahre langsam mit den Armen an der Wand hoch, bis du eine Position findest, die sich anfühlt als würden hier die Beklemmungen verursacht. Mache nun einen Ausfallschritt, sodass du dich  zur Ecke hinneigst und eine Dehnung im Brustmuskel spürst. Halten die Dehnung 1-2 Minuten und atme dabei durch die Lippenbremse.

 

 

BITTE SPRECHE VOR DEM TRAINING MIT DEINEM ARZT. 

 

Quellen:

Mathias, Dietger(2018). Fit und gesund von 1 bis Hundert, Springer Verlag, Berlin

Hörner, Julian (2019), Sport bei Asthma: So trainieren sie richtig, unter: https://www.apotheken-umschau.de/Asthma/Sport-bei-Asthma-So-trainieren-Sie-richtig-555741.html

Nicht medikamentöse Maßnahmen bei Asthma, 2017, unter: https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/asthma-bronchiale/nicht-medikamentoese-massnahmen-bei-asthma-2013264

Gut für die Lunge: ideale Sportarten für Asthmatiker, 2013, unter: https://www.focus.de/gesundheit/diverses/gesundheit-gut-fuer-die-lunge-ideale-sportarten-fuer-asthmatiker_aid_982453.html

Global Asthma Network: The Global Asthma Report 2018.